Archiv für die Kategorie „Medizinstudium“
Halbgötter in grau
Interessanter Artikel im manager magazin
Früh morgens souverän durch die Visite schweben, nachmittags entspannt auf dem Golfplatz putten: Das ist das gängige Klischee vom Ärztealltag. Die Realität indes sieht anders aus. Patienten sind zahlreich, Stress alltäglich, Freizeit ist Luxus. Dafür stimmt das Gehalt und die Berufschancen sind so gut wie lange nicht mehr.
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von Dr. Gerhard Polak
Seit dem Jahr 2007 hat die Europäische Union 27 Mitgliedstaaten mit insgesamt 485,5 Mio. Einwohnern. Die nationalen Gesundheitssysteme der einzelnen EU-Staaten weisen große Unterschiede auf hinsichtlich der Finanzierung ihrer Gesundheitsausgaben und der Leistungsangebote Ihrer (sozialen) Versicherungssysteme auf. (www.euro.who.int/observatory)
Schon heute ist es möglich, dass Patienten in EU-Nachbarstaaten medizinische Leistungen beanspruchen, die zwischen den Versicherungen der jeweiligen EU-Staaten abgerechnet werden. Zwischen einigen EU-Staaten werden darüber hinaus schon grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen angeboten z. B. für orthopädische Operationen und medizinische Spezialbehandlungen.
Die Anerkennung von Berufsqualifikationen
Auch für Ärzte haben sich vielfältige Möglichkeiten zur Ausübung ihres Berufes (Maastricht Vertrag 1992) im EU-Ausland eröffnet. Die EU fördert und unterstützt die Mobilität von Ärzten durch die gegenseitige Anerkennung von Berufsdiplomen. Die Anerkennung von Berufsqualifikationen wird ab 20. Oktober 2007 durch die neue EU-Richtlinie 2005/36/EC geregelt. Sie ist die maßgebliche Richtlinie für die Migration von Ärzten im europäischen Wirtschaftsraum und sieht die automatische Anerkennung der in der Richtlinie aufgeführten Studienabschlüsse und Facharztbezeichnungen in den EU-Mitgliedstaaten vor. Somit kann etwa ein Chirurg innerhalb weniger Wochen in einem Spital im EU-Ausland tätig werden, oder er kann extramural eine Ordination eröffnen. Natürlich gibt es auch Hürden bei der Anerkennung von FA-Diplomen, zum Beispiel dann, wenn Ärzte mit einer Facharztausbildung Ihres Herkunftslandes in ein anderes EU-Land migrieren, in dem diese FA-Ausbildung in der EU-Richtlinie nicht vorgesehen ist. Im Aufnahmestaat müssen sie dann auf Anforderung, vorgeschriebene Weiterbildungszeiten absolvieren. Als Beispiele seien das FA-Diplom Unfallchirurgie (Deutschland, Österreich) angeführt, für das es in Frankreich oder im Vereinigten Königreich kein äquivalentes FA-Diplom gibt (Anerkennungsverfahren gehen in Richtung Orthopedics/Bone and Joint Surgery) oder das FA-Diplom „genito-urinary-medicine“ welches es nur in United Kingdom, Ireland and Malta gibt. (Liste der aequivalenten FA-Diplome: europa.eu/scadplus/leg/de/cha/c11065.htm)
Ist die Qualität in der Medizinerausbildung gesichert? Welche Anforderungen hat das Gesundheitswesen an künftige Ärzte? Welche Rolle spielen neue Lehr- und Lerntechnologien für Studierende? Diese und andere Fragen sind Themen des Symposiums „Medizinstudium 2.0 – Innovationen_Reformen_Perspektiven“ an der Universität Tübingen, am 27. April 2010.
Unter dem Motto „Innovationen, Reformen und Perspektiven“ veranstaltet der Stuttgarter Medizinverlag Thieme das Symposium zur „Zukunft der Medizinerausbildung“ gemeinsam mit der Universität Tübingen und dem Centrum für Hochschulentwicklung. Am 27. April 2010 diskutieren Dr. Frank-Ulrich Montgomery, Staatsekretärin Anette Widmann-Mauz sowie Experten aus Wissenschaft und Praxis über geänderte politische und wissenschaftliche Rahmenbedingungen, neue Herausforderungen, Reformansätze und den Einsatz elektronischer Medien.
Das Studium der Medizin ist in Deutschland beliebt: 12.000 junge Frauen und Männer beginnen jährlich mit der Ausbildung zum Arzt. Trotzdem steht das Medizinstudium in der Kritik: Die Qualität in der Ausbildung junger Mediziner gerät zunehmend in Gefahr. Nicht nur die Studierenden sind unzufrieden. Auch Professoren, Kliniken und Berufsverbände kritisieren die mangelnde Qualität in der medizinischen Lehre und sehen Defizite in den Fähigkeiten der Absolventen. Auch wollen rund zwanzig Prozent der Absolventen hinterher nicht als Arzt tätig werden. Muss also das Medizinstudium grundsätzlich neu gestaltet werden? Wie stellen wir sicher, dass wir auch künftig über genügend qualifizierte Ärzte verfügen? Wie können neue Lehr- und Lerntechnologien dabei helfen, die komplexen Inhalte nachhaltiger und didaktisch sinnvoller zu vermitteln?
